Home
Meilensteine
New York
Kalifornien
Erstes Nationalteam
Studiomeisterschaft
Der Expander
Mr. Germany
Frauen-Bodybuilding
Kraftdreikampf
Die Studios
Weggefährten
Aufsätze zu Gelbfarb
Lebenslauf
English Version
Literatur und Links
In den Medien
Impresssum/Kontakt

Selbstbestimmung oder Verlust der Weiblichkeit?

Einen deutsch-amerikanischen Bodybuilding-Wettkampf in Kitzingen, den die dortige US-Garnison veranstaltet, nutzt Gelbfarb nur wenige Tage nach der Premiere in Schweinfurt, um die ersten bayerischen Meisterschaften im Frauen-Bodybuilding abzuhalten. Bei dieser Gelegenheit gelten erstmals die von Gelbfarb wesentlich mit formulierten Regeln des Bundesverbandes für Frauen-Turniere. Demnach sollten die Kampfrichter Harmonie, Gesamterscheinung und körperliche Entwicklung beurteilen. Um sich von reinen Schönheitswettbewerben abzugrenzen, sollen bei den Teilnehmerinnen trainierte Muskeln erkennbar sein.

Deutsch-amerikanischer Frauen-Bodybuilding-Wettbewerb in Kitzingen. (Foto: Sammlung Steinmüller)

Deutsch-amerikanischer Frauen-Bodybuilding-Wettbewerb in Kitzingen. (Foto: Sammlung Steinmüller)

Doch genau an diesen Muskeln entzündet sich damals heftiger Streit in der Bodybuilding-Szene: Die eine Fraktion, vertreten von Lisa Lyon, verstehen konsequenten Muskelaufbau bis an die Grenze des körperlich Möglichen als Akt der Emanzipation, der keine Rücksicht auf männliche Ansprüche nimmt.

"Falsch verstandende Emanzipation"

Die andere Fraktion fürchtet um den Verlust der Weiblichkeit und damit um die Aufhebung des angeblichen natürlichen Unterschieds zwischen Männern und Frauen. Diese Fraktion – durchweg Männer – schreibt empörte Leserbriefe:„Hierbei handelt es sich um falsch verstandene Emanzipation. Muskeln und Kraft in dem Ausmaß wirken abstoßend bei den Frauen, vor allen Dingen, wenn die sehr strenge Wettkampfdiät dann auch noch den letzten Rest von Weiblichkeit aufzehrt.“ Ein anderer Leserbriefschreiber fürchtete gar um den Fortbestand der Menschheit: „Würde die negative Utopie der Muskelfrau jemals allgemein-weibliche Wirklichkeit, so stürbe der Mensch aus, weil der weibliche Körper dann die Männer abstoßen statt anziehen würde.“ Gegen soviel Chauvinismus und für Bodybuilding als Beitrag zur weiblichen Selbstbestimmung bezieht Elly Gelbfarb in einem Artikel in der Sportrevue deutlich Stellung. Sie schreibt: „Ich frage, warum soll eine Frau den ihr von der Natur gegebenen Körper (…) nicht auch durch Sport voll entwickeln können, wenn es ihr Freude macht? Ich gehe mit Lisa Lyon völlig einig, wenn sie schreibt: ,Man sollte den Männern nicht gestatten, die Kriterien für das Bodybuilding der Frauen und seine Grenzen daran auszurichten, wie sie sich ihre Partner im Bett vorstellen.'“ Der Artikel ist illustriert mit Fotos der 60-jährigen Elly im Bikini.

 

Zwei der ersten deutschen Bodybuilderinnen beim Posen in Harry Gelbfarbs Studio-Wettkampf im Jahr 1981. (Foto: Sammlung Steinmüller)

 

 

Zwei der ersten deutschen Bodybuilderinnen beim Posen in Harry Gelbfarbs Studio-Wettkampf im Jahr 1981. (Foto: Sammlung Steinmüller)

Doch genau wegen der Muskeln hat Gelbfarb Schwierigkeiten mit seinen Mädchen: Die meisten wollen gar kein Bodybuilding betreiben, haben Angst, ihre weibliche Shilhouette zu verlieren. Auch das Posen im Bikini ist nicht nach ihrem Geschmack: Eine Mitabiturientin von mir erinnerte sich noch drei Jahrzehnte später daran, wie peinlich es ihr gewesen ist, halbnackt vor hunderten mit Testosteron aufgepumpten GIs aufgetreten zu sein. So verläuft sich Gelbfarbs Frauen-Bodybuilding-Team rasch wieder.

 

 

 

Zurück
javascript:return%20false;