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Rolf Putziger: Verleger, Organisator und Gegenspieler von Gelbfarb

Rolf Putziger hat eine wechselvolle Geschichte als Verleger von Homosexuellen-Magazinen hinter sich, als er sich dem Bodybuilding zuwendet. Unter dem Deckmantel seiner Bodybuilding-Zeitschrift "Herkules" will er die Interessen von Schwulen ansprechen, ohne mit dem damals noch gültigen § 175 in Konflikt zu kommen. Dafür illustriert er die Zeitschrift mit Fotos populärer amerikanischer Bodybuilder. Als Bodybuilding Ende der fünfziger Jahre populär wird, entdeckt er einen Markt für seine Zeitschriften, auf dem auch heterosexuelle Männer potenzielle Leser sind.

"Für ihn zählte nur das Geschäft"

Als Gelbfarb im Jahr 1960 in München die erste deutsche Bodybuilding-Meisterschaft veranstalten will, gewinnt er Putziger als Sponsor. „Rolf Putziger selbst hatte eigentlich kein echtes Interesse an Bodybuilding“, erinnerte sich Gelbfarb Jahrzehnte später. „Ich bezweifle sogar, dass er jemals ernsthaft eine Hantel in die Hand genommen hat. Für ihn zählte lediglich die geschäftliche Seite des Sports, ein Standpunkt, den ich durchaus akzeptierte.“ Die Aufgabenteilung zwischen den beiden illustriert ein Foto von der Meisterschaft: In der ersten Reihe sitzen die muskelbepackten Kampfrichter in T-Shirt oder offenem Hemd, dahinter Rolf Putziger mit Sacko, Krawatte, Glatze und Brille. Im Rückblick räumt Gelbfarb ein, er sei mit der Veranstaltungsorganisation überfordert gewesen: „Die erste ,Deutsche' verlief ziemlich ungeordnet“. Gleichzeitig fühlt sich Gelbfarb von Putziger im Stich gelassen: „Als ich mich einmal hilfesuchend nach einem Ordner umsah (…), sah ich Rolf Putziger in der zweiten Reihe sitzen und mit zufriedenem Gesichtsausdruck das eingenommene Geld zählen.“

Rückzug aus der Verbandsarbeit

Für die zweite Meisterschaft im folgenden Jahr mietete Putziger das Deutsche Theater in München und schafft so ein repräsentatives Umfeld für die neue Sportart. Dass Gelbfarb bei der Organisation von Reinhard Smolana unterstützt wird, trägt wesentlich dazu bei, dass die Veranstaltung besser über die Bühne geht als die Premiere. Putziger und Gelbfarb sitzen noch häufig gemeinsam in den Kampfgerichten diverser Meisterschaften, so beim Städtekampf München–Nürnberg im Jahr 1965. Doch Ende der sechziger Jahre zieht sich Gelbfarb wegen Differenzen mit Putziger aus der Verbandsarbeit zurück und nimmt sie erst nach dessen Tod 1977 wieder auf. Die Gründe für den Rückzug sind nicht bekannt, doch hatte Putziger 1960 von Gelbfarb den Vorsitz des von diesem gegründeten Deutschen Körperbildungsbundes übernommen, den Sitz nach München verlegt und die Organisation in Bund Deutscher Bodybuilder umbenannt. In die Annalen der Sportgeschichte ging Rolf Putziger als Mentor von Arnold Schwarzenegger ein: Er holte den 19-Jährigen von aus seiner Heimatstadt Graz nach München, wo dieser die Grundlage für seine internationale Karriere legte. Schwarzeneggers Urteil über Putziger fiel Jahrzehnte später wenig schmeichelhaft aus: „Putziger war schmierig.“

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